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Tag 7- Die Liebe ist nicht reizbar

"Seid voll Mitleid und Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftheit und Geduld. Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen..."

(Kolosser 3, 12-13)

" Liebe ist wie eine sanfte Brise, nicht wie ein Sturm, der jeden Moment losbrechen kann" (S.52, 40 Tage Liebe wagen für Eltern).

Mit diesen Worten beginnen Alex und Stephen Kendrick den siebten Tag. Und gerade heute fühle ich mich ertappt, wie ich nicht gerade einer sanften Brise gleiche, sondern einem tosenden Sturm. Aus diesem Grund habe ich lange überlegt, ob ich heute den Beitrag zum siebten Tag meiner persönlichen Reise schreiben soll. Ich wollte mich nicht ganz als Versagerin outen. Aber ich bin auch dafür, dass meine Reise echt und authentisch ist und so muss ich nun in den sauren Apfel beißen und berichten. Nun aber erst einmal zum Inhalt des Buches bezüglich des heutigen Tages: 

 

Die Autoren schreiben, dass jemand, der schnell reizbar ist einem Pulverfass ähnelt, das jeden Moment in die Luft gehen kann. In der Erziehung äußert sich das dann darin, dass man sich als Eltern über jede kleine Bagatelle der Kinder übertrieben stark aufregt. Dem Ärger wird stets sofort Luft gemacht und die Gefühle sind dabei nicht unter Kontrolle. Wenn dies geschieht, so vergiften wir uns und alle um uns herum mit Bitterkeit. Deshalb ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass die Liebe sich nicht leicht kränken lässt und schnell vergibt. Ich persönlich denke, dass es vielleicht eine Hilfe wäre, wenn man sich immer wieder sagt ( vielleicht sogar laut zu sich selbst, wenn keiner da ist): "Ich liebe X", und dann erst auf das Missgeschick reagiert. Ich selbst habe das noch nicht ausprobiert, aber es ist mir vor kurzem eingefallen. Wenn man das zu sich selbst sagt, dann macht man sich auch bewusst, wie man eigentlich reagieren möchte, nämlich so, wie es dieser Liebe entspricht. Etwas, das ich diesbezüglich sehr wichtig finde, möchte ich aus dem Buch noch zitieren: "Unsere Kinder werden nie perfekt sein- warum also tun wir überrascht, wenn sie Fehler machen?" (S.53). Kann es sein, dass ich vielleicht manchmal erwarte, dass alles wie am Schnürchen zu laufen hat, so wie ich mir das vorstelle?

 

Erneut betonen Kendricks, dass wir darauf schauen sollen, wie Gott mit uns umgeht. Er ist liebevoll und geduldig mit uns. Auch wir sind nicht perfekt! Wie oft machen wir Fehler? Und er lässt auch nicht gleich einen  Blitz vom Himmel herab fahren und uns treffen! Ich glaube, wenn er das machen würde, wäre die Menschheit längst ausgestorben wie die Dinosaurier! Nein, Gott vergibt uns und gibt uns manchmal auch die Möglichkeit, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

 

Ich weiß, dass uns das als Eltern öfter passiert als wir wollen, bei mir ist das jedenfalls so: Unsere Kinder bekommen deutlich zu spüren, wenn uns gerade etwas bekümmert oder ärgert, sei es der blöde Anrufbeantworter beim Arzt, der einen trotz mehrmaligem Betätigen der auszuwählenden Taste einfach nicht an die Sprechstundenhilfe weiterleitet oder dass man im Haushalt mit Aufräumen und Putzen einfach nicht mehr hinterher kommt. Da können einen dann ganz kleine Sachen, über die man normalerweise gelacht oder hinweg gesehen hätte, plötzlich zum Explodieren bringen. Und wer bekommt es ab? Die Menschen um uns herum, der arme Partner und die unschuldigen Kinder. Alex und Stephen schreiben, dass so ein Verhalten dazu führt, dass die Kinder sich so weniger geliebt fühlen und verunsichert sind. Ist dies ein dauernder Zustand, kann es im schlimmsten Fall bedeuten, dass sie sich später einmal genauso ihren Kindern gegenüber verhalten werden.

Das kann einem Angst machen und ist auf den ersten Blick nicht sehr Mut machend. Denn ich bin leider ein sehr emotionaler und impulsiver Mensch, der sich bei Ärger nur selten wirklich im Griff hat. Natürlich will ich meinen Kindern nicht das Gefühl geben, nicht geliebt zu sein und ich will sie auch nicht von mir stoßen. Es ist in dem Moment nur so unglaublich schwierig, wenn ich nicht weiß wohin mit meinen Gefühlen.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich gerade das erste Mal nach 19 Monaten meine Regel wieder bekommen habe und wirklich ein Hormonopfer bin. Manchmal frage ich mich wirklich: Wie kann ich meine Emotionen besser kontrollieren, gerade in der Zeit, wo sich Hoch und Tiefgefühle in rasender Geschwindigkeit abwechseln und wie ein Wolkenbruch auf mich herab prasseln? Ich mag es gar nicht von irgendwelchen Hormonen so kontrolliert zu werden und nichts dagegen tun zu können! Über irgendwelche Tipps und Anregungen im Kommentarfeld unten wäre ich sehr dankbar!!! Außer Ruhe, Schlaf, Wärmflasche und Teetrinken und Abwarten, bis es wieder vorbei ist, habe ich noch nichts gefunden, das mir hilft und bis auf das Letzte dieser Dinge kann ich leider nichts anwenden, wenn ich den ganzen Tag für mindestens zwei Kinder zuständig bin :(

 

Aber weiter im Text: Die Autoren fordern dazu auf, aufkommenden Ärger sofort wieder zu verwerfen und ihn gar nicht erst keimen zu lassen. Man soll sich vornehmen auf kleine Probleme nicht mehr so heftig zu reagieren und die Emotionen zu beherrschen. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, was man sagt, wenn man beginnt frustriert zu sein. Worte, Taten und der Gesichtsausdruck sollen von der Liebe bestimmt sein.

 

Reizbarkeit entspringt laut Buch aus zwei bitteren Quellen, die da lauten Selbstsucht und Stress.

Es ist wichtig zu erkennen, woher es kommt, dass man jetzt gerade so gereizt ist. Dabei kann man sich fragen: Habe ich die letzte Nacht zu wenig geschlafen? Fehlt mir etwas in der Ernährung? Habe ich zu wenig Bewegung? Habe ich zu viele Termine? Da kann man sich sicher noch weitere Faktoren abfragen, die Einfluss auf das Befinden haben.

Stress entsteht bei mir persönlich zum Beispiel immer dann, wenn ich vor einem Termin, bei dem ich die Kinder mitnehmen muss, nicht genügend Zeit einplane zum Anziehen. Dann gerate ich unter Zeitdruck und in Stress und bin schnell dabei unwirsch zu reagieren, wenn es nicht so fix geht, wie es sein soll.

 

Auf Seite 55 im Buch steht außerdem, dass Stress durch selbstsüchtige Motive wie Stolz, Habsucht, Bitterkeit und Begierde entsteht. Sie treiben uns ohne Unterbrechung an, lassen uns nicht zur Ruhe kommen und lösen Ärger in uns aus.

 

Und wieder wird darauf hingewiesen, sich auf die Liebe zu seinen Mitmenschen zu fokussieren, weil sie uns den Blick gibt für Andere und frei macht dahingehend, anderen zu vergeben und nicht nachtragend zu sein. Sie macht uns dankbar und hilft uns die Prioritäten in unserem Leben richtig zu setzen. Außerdem reduziert sie Stress und weckt in uns Geduld und lässt uns ermutigend gegenüber unseren Kinder sein, anstatt ärgerlich und verbittert.

 

Und das Allerwichtigste und Entscheidende, und das finde ich total gut, dass das in diesem Kapitel erwähnt wird, ist, dass wir mit unserer Gereiztheit zu Gott gehen können. Wir können ihm alles hinwerfen unsere ganzen Probleme und damit einhergehenden Gefühle. Er kann das ertragen! Er wird uns vergeben und uns helfen! Er ist es, der uns Trost spendet und Frieden und Weisheit gibt.

Das habe ich heute gelernt: Ich möchte mir vornehmen, trotz eigener Gereiztheit, aus welchen Gründen auch immer, und eventueller Fehler von Seiten meiner Kinder (sie sind nun mal nicht perfekt!), liebevoll zu reagieren. Denn ICH LIEBE SIE JA! Das schaffe ich nicht selbst. Ich brauch meinen Gott, den ich jederzeit, auch in Gedanken, um Hilfe und Weisheit bitten darf. Auch ist es wichtig, Stress, soweit es möglich ist, zu reduzieren und minimal zu halten. Dafür ist gutes Zeitmanagement und Organisation nötig. 

Die Aufgabe für heute: Sich vornehmen, von jetzt an mit Liebe statt mit Verärgerung auf meine Kinder zu reagieren. Anfangen, indem man eine Liste der Bereiche macht, in denen man Stress vermeiden sollte. Jedes falsche Motiv aufschreiben, von dem man sich trennen muss.

Und so erging es mir heute: Heute war für mich eine der schlimmsten Tage seit langem. Bereits heute morgen war ich sehr müde und schlapp. Weiter oben hatte ich ja schon erwähnt, dass ich das erste Mal nach der Geburt meines Sohnes wieder meine Regelblutung bekommen habe. Heute dachte ich, ich verblute! Wirklich! Und ich war sooo müde! Dazu kam, dass mein Mann heute erkältungsmäßig angeschlagen und demzufolge auch nicht gerade sehr stabil war. Wir waren also beide heute nicht sehr belastbar. So kam es, wie es kommen musste, wir fingen an über verschiedene Dinge zu diskutieren und unseren Unmut darüber auszusprechen. Die Wohnung wurde mit jeder Minute unordentlicher, weil der nicht beschäftigte Bär herum streifte und Spielzeuge von einem Ort zum anderen transportierte. Der Igel saß auf dem Boden und lutschte an irgend einem Krümel vom Vorabend, weil keiner von uns bisher den Staubsauger in die Hand genommen hatte. Als es dann Zeit für den Bären und den Igel war, ihr gewohntes Schläfchen zu halten, begab auch ich mich wieder zurück in mein Bett und schlief bis der Fuchs und das Eichhörnchen aus der Schule und dem Kindergarten zurück kamen und die anderen beiden Kinder auch wieder wach waren. Erst dachte ich, dass es mir wieder besser ging, aber das war heute den ganzen Tag so komisch, mal ging es mir ganz gut und im nächsten Moment musste nur eine Kleinigkeit passieren, etwa dass der Bär sich an unserem Gefrierschrank zu schaffen machte und ein Eis nach dem anderen auspackte, um daran zu schlecken, und schon ging ich in die Luft wie eine Rakete! Das war heute so extrem! Und ich bin so beschämt, wenn ich den heutigen Text in dem Buch "40 Tage Liebe wagen für Eltern" lese, denn ich habe mich genau so verhalten, wie es nicht gut ist! Im Ersten Moment waren die Worte darin deshalb nur vorwurfsvoll und entmutigend für mich. Aber ich nehme mir daraus mit, dass ich das nächste Mal einfach eher zu Gott renne, bevor ich vor Wut ein Glas so in das Andere beim Tisch abräumen ramme, dass es dabei kaputt geht. Ich weiß selber nicht, was heute mit mir los war, ich kann noch nicht einmal irgendwelche Gründe für mein Verhalten nennen und so extrem kenne ich mich eigentlich nur, wenn meine Hormone komplett verrückt spielen. Dann bin ich nicht mehr ich. Trotzdem, es muss doch eine Möglichkeit geben, in so einer Situation aus meinen Gefühlen auszubrechen und zu Gott zu rennen! Ich will in Zukunft zu mir sagen: "Nein, ich bin kein Hormonopfer und ich will kein Hormonmonster sein! Gott ist größer und stärker als meine Gefühle!" 

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Kommentare: 1
  • #1

    S (Donnerstag, 06 Dezember 2018 16:13)

    Hm,....sehr hochgestecktes Ziel,....ich fange in solchen Augenblicken regelmässig an zu singen: Herr schenk mir Geduld,....die Kids denken dann wahrscheinlich : jetzt dreht sie völlig durch,....aber die irrwitzigen Situationen kommen ja manchmal Schlag auf Schlag, manchmal sogar parallel,....was wir dann innerhalb von Minuten an Multitasking hinkriegen müssen, während sich gleichzeitig schon die nächsten Katastrophen zusammenbrauen,....und dann bloss nicht hysterisch werden sonst nimmt einen ja kein Kind mehr ernst,...und dann noch ruhig, lieb und freundlich bleiben?Ich glaube da müsste ich mich verstellen und die Kids würden sich auch wundern...der Ansatz ist gut, aber ich kann mir das in der Realität schwer vorstellen,....du solltest die Gefühle die aufkommen ja auch nicht verdrängen,....was wichtig ist, ist finde ich dass ich es schaffen will, nicht handgreiflich zu werden, keine schlechten Worte gegen meine Kinder zu richten, die unterhalb der Gürtellinie liegen, und dass ich wenn die Situation vorbei ist einen Moment am Tag finde, in dem ich die Situation emotional losgelöst nochmals versuche zu thematisieren,....dass mache ich meistens abends nach der gute Nacht Geschichte und vor dem Gebet,...LG und danke für den Bericht:)