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Tag 6- Die Liebe ist nicht selbstsüchtig

"Seid nicht selbstsüchtig; strebt nicht danach, einen guten Eindruck auf andere zu machen, sondern seid bescheiden und achtet die anderen höher, als euch selbst."

(Philipper 2,3)

"Folge deinem Herzen!", so höre ich es immer wieder, als ein gut gemeinter Vorschlag für die Zukunft. Aber was heißt denn das in Wirklichkeit? Bedeutet das, dass ich tun und lassen kann, wonach mir gerade ist? Die Bibel sagt über das menschliche Herz folgendes: "Trügerisch ist das Herz, mehr als alles" (Jeremia 17,9) Wie ist das gemeint? Wenn ich meinem Herzen folge, dann folge ich meinem subjektiven Urteil, meinem Befinden und meinen Gefühlen. Wenn ich zum Beispiel gerade keine Lust dazu verspüre, unserem Bären die Windel zu wechseln, dann mache ich es eben nicht und mein armes Kind muss weiterhin mit einer stinkenden Windel herum laufen. 

Jetzt schaut ihr mich vielleicht empört an und sagt: "Du kannst dich doch nicht weigern, die Windel deines Sohnes zu wechseln, nur weil du gerade keine Lust dazu hast! Er ist doch auf dich angewiesen!" Richtig! Das wäre doch ganz schön selbstsüchtig und gemein, wenn ich mich weigern würde, meinen Sohn zu wickeln. Aber das wäre das Ergebnis davon, wenn ich meinem Herzen folgen würde. Und trotzdem habe ich manchmal damit zu kämpfen. Mit dieser Unlust etwas für meine Kinder zu tun.

 

Solange wir alleine und nur für uns selbst verantwortlich sind, kommen wir vielleicht nicht so oft mit ihr in Konflikt und wir meinen manchmal vielleicht sogar, dass wir mit ihr kein Problem haben. Aber sobald wir in Kontakt und Beziehung zu anderen Personen treten und besonders, wenn wir rund um die Uhr für kleine, auf uns angewiesene Geschöpfe verantwortlich sind, dann kommt sie zum Vorschein, die Selbstsucht.  Dann merken wir plötzlich, dass wir nicht mehr unserem Herzen folgen können, sondern dass manchmal auch Dinge erledigt werden müssen, entgegen unserer "Lust". Durch unsere Kinder lernen wir, ein Stück weit selbstloser zu werden und aus Liebe zu Anderen auf etwas zu verzichten, von uns weg zu sehen und zu akzeptieren, dass sich nicht immer alles um einen selbst dreht. Und das kann zu weilen ganz schön weh tun! Ich weiß, wovon ich als vierfache Mama rede!

 

Versteht mich nicht falsch, das heißt nicht, dass wir uns geistig, geistlich oder körperlich vernachlässigen sollen! Nein, aber es heißt, dass wir uns selbst nicht bei allem an die erste Stelle setzen können. Und das ist doch auch irgendwie gut so, oder? Wodurch ist mir denn in den meisten Fällen sofort möglich, mir meinen Sohn zu schnappen, wenn ich merke, dass seine Windel voll ist, ohne groß darüber nachzudenken, was ich denn jetzt eigentlich will? Genau! Durch die Liebe zu meinem Sohn ist das möglich. 

"Die Liebe (...)findet ihre Erfüllung darin, anderen Freundlichkeit, Gesundheit und Segen zuteilwerden zu lassen. Liebevolle Eltern tun alles, damit die fehlerhaften kleinen Menschen, die Teil ihres Lebens sind, in jeder Hinsicht gut versorgt sind." (40 Tage Liebe wagen für Eltern, S.46+47). Selbstsucht und Liebe sind sich immer feind. Entweder handeln wir aus dem einen oder anderen Beweggrund.

 

Durch unsere Kinder zeigt uns Gott, wie selbstzentriert und egoistisch wir manchmal denken und handeln. Er möchte uns verändern, indem er uns dazu ermutigt aus Liebe zu unseren Kindern zu lernen, von uns weg zu sehen und die Bedürfnisse anderer Menschen wahr zu nehmen. 

 

Stephen und Alex Kendrick geben in ihrem Buch geben einen wertvollen Tipp. Sie schreiben, dass wir unsere Kinder wie einen wertvollen Schatz ansehen werden, um den wir uns für eine gewisse Zeit kümmern und Freude an ihm haben dürfen, wenn wir davon ausgehen, dass sie eigentlich Gottes Eigentum sind. Es hilft, sich das mal bewusst zu machen.

 

 

 

Das habe ich heute gelernt: Die Elternschaft ist wie eine Schule, in der ich lerne selbstloser zu werden, ohne mich aufzugeben und auf manche Privilegien und Freiheiten aus Liebe zu meinen Kindern zu verzichten. Dafür finde ich Erfüllung und Freude und kann ein Segen für mein Umfeld sein. Meine Kinder sind Gottes Eigentum, das er mir für eine gewisse Zeit meiner liebevollen Obhut anvertraut hat. Wenn meine Kinder dann erwachsen sind, möchte ich gerne dankbar zurück blicken und mich an die gemeinsamen Jahre erinnern, ohne etwas bereuen zu müssen.

Die Aufgabe für heute:

Im Gebet überlegen, welche selbstsüchtigen Gedanken halten mich davon abhalten, meine Kinder noch inniger zu lieben. Diese Hindernisse beiseite schieben und anschließend meine Kinder bewusst Gott weihen und sie ihm dadurch zurückgeben.

So erging es mir heute:

Es ist nicht immer so leicht, wie es in dem Buch zu lesen ist, sich selbst nicht im Vordergrund zu sehen. Ich finde, dass man durchaus auch Achtsamkeit üben muss und zugeben darf, wenn etwas seine Kräfte übersteigt. 

Samstags ist eigentlich unser gemeinsamer Familientag. Aber mein Mann musste heute auf die Arbeit. Er ging zu einem "Galaabend", der einfach Pflichtprogramm für ihn war. Das wusste ich eigentlich auch schon länger. Aber als es dann soweit war und er gegen 16:00 los musste, hat es mich erwischt, wie wenn mich eine Betonmauer erschlägt: Ich habe mich plötzlich sehr kraftlos und allein gelassen gefühlt. Ich hatte schlechte Laune und überhaupt keine Ideen und Freude daran mich jetzt mit unseren vier Kindern zu beschäftigen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Ich war einfach wie gelähmt.

Manchmal ist es eben so, dass einem alles zu viel ist. Liebe ich meine Kinder deswegen nicht? Doch ich liebe sie, aber manchmal habe ich sehr mit mir zu kämpfen. Und ich frage: Inwiefern ist es ok, dass man mal sagt: "Ich mag grade einfach nicht mehr!"

Mein Mann und ich haben dann gemeinsam gebetet und unser Bär hat mich danach ganz lieb umarmt. Er hat so lieb seine kleinen Ärmchen um meinen Hals geschlungen und mir Trost durch sein Schmusen gegeben. Danach hatte ich wieder Kraft und konnte weiter machen.

 

Was ich hiermit einfach sagen wollte. Ich denke es ist völlig ok, sich mal entkräftigt auf den Hintern plumpsen zu lassen und erst einmal gar niemanden mehr sehen zu wollen. Und ich glaube, dass Gott dafür auch Verständnis zeigt und wieder neue Kraft geben möchte. 

Das ist etwas, was ich in diesem Buch leicht kritisieren muss: Es steht immer nur da, wie etwas laufen muss und wie es zu sein hat. So schwarz- Weiß. Die Inhalte sind super, aber man darf sich nicht der Täuschung hingeben, man könne diese Tipps alle sofort auf Anhieb umsetzen und bei erkannten Charakterschwächen aus eigener Kraft Veränderungen hervor bringen. Da wird in dem Buch (bisher) nicht explizit darauf eingegangen, aber ich weiß: Ohne Gott kann ich meine Kinder nicht lieben und mich auch nicht zum Guten bessern! Ich brauche ihn! Jeden Tag, Jede Stunde, jeder Minute, am Abend und am Morgen wieder aufs Neue. Und es wird Rückschläge geben. Ich werde manchmal entmutigt sein, so wie heute. Aber dann brauche ich kein schlechtes Gewissen haben, weil ICH es wieder nicht hinbekommen habe. Ich darf zu Gott beten, neue Kraft bekommen und mit ihm gemeinsam die Reise fortsetzen.

 

Ich habe mit meinem Mann über das Kapitel 6 in diesem Buch gesprochen und ihm auch die Aufgabe für heute vorgelesen. Wir haben beschlossen, bei nächster Gelegenheit unsere Kinder nochmal bewusst im Gebet Gott zu weihen und ihm damit wieder zurück zu geben. Auch wollen wir in Zukunft öfter und regelmäßiger für unsere Kinder und ihre Belange beten, weil wir glauben, dass Gott uns hört, unsere elterlichen Sorgen versteht und uns helfen möchte.

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Kommentare: 1
  • #1

    S. (Montag, 03 Dezember 2018 21:50)

    Ich glaube, dass Kinder durch ihre natürliche direkte authentische Weise uns auch Authentität abverlangen,....denn sie merken es sofort wenn man sich verstellt ,....das hält man glaube ich auch mit mehreren Kindern rundum die Uhr gar nicht aus, oder man zerbricht daran,...dadurch wird man als Mutter mit Seiten von einem selbst konfrontiert, die einfach teilweise nicht freundlich, geduldig, gerecht und füesorgend sind, das kann wirklich schockieten und verletzen, -ist aber glaube ich Teil des Prozesses durch den wir als Mütter gehen müssen, um demütig, liebend, geduldig und weißer zu werden,....zu akzeptieren, dass wir nicht so ausgeglichen und cool sind wie w7r fr9her immer dachten ;)