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Kinder fördern, pushen und...stressen

Kennt ihr das auch? Ihr begegnet herausgeputzten Eltern, deren hübsche Kinder brav nebenher laufen, die Haare ordentlich frisiert, die Markenkleidung strahlend sauber und die Schuhe hochglanzpoliert. Diese Kinder besuchen in der Woche zwei Mal einen Verein, lernen gleichzeitig je zwei Musikinstrumente und wachsen zusätzlich auch noch dreisprachig auf. Schwimmen gelernt haben sie schon mit 4 Jahren. Weil eines der Kinder in einem Jahr in die Schule kommt, setzt sich die Mutter regelmäßig hin, um mit dem Kind lesen und schreiben zu lernen, damit es einen optimalen Schuleinstieg hat.

Diese Beschreibung ist an mancher Stelle überspitzt dargestellt und doch ist sie gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Als unser Fuchs begutachtet wurde, ob er "schultauglich" für die 1. Klasse sei, war ein Manko, dass er seinen eigenen Namen mit 5 Jahren noch nicht aus dem Kopf schreiben (nachschreiben klappte) konnte. Innerlich fasste ich mir an den Kopf, als ich das hörte. Seit wann ist es Voraussetzung schon schreiben zu können, bevor man die Buchstaben überhaupt erst lernt? Bei mir war das früher nicht so. Ich wurde erst mit 7 eingeschult und habe auch in der Schule erst lesen und  unter anderem meinen Namen schreiben gelernt. Aber heute verhalten sich manche Eltern so, als würden ihre Kinder auf verlorenem Posten stehen, wenn sie nicht gewisse Dinge schon bei Schuleintritt können. Wer gibt die Richtung an und wer setzt die Messlatte an Voraussetzungen, die die Kinder haben müssen, um im Leben erfolgreich zu sein? Die Eltern? Die Gesellschaft,die Schule oder gar die Wirtschaft?

Ich jedenfalls als vierfache Mutter kann und will mit diesem Druck nicht mithalten, wenn ich beginne, mich mit solchen Eltern, die vielleicht nur ein oder zwei Kinder haben, zu vergleichen. Ich tue, was ich kann, um meine Kinder auf die große weite Welt da draußen vorzubereiten. Aber diesem hohen Maßstab, den sich manche Eltern selbst auferlegen, kann ich allein zeitlich nicht gerecht werden. Deshalb konzentriere ich mich darauf einen gemäßigten und ausgeglichenen Weg zu gehen und nicht dem Trend zu folgen ,die Kinder zu pushen was das Zeug hält, als ob aus ihnen ansonsten später mal nichts werden würde.

Vorallem: Denkt denn auch mal jemand an die Kinder? Der Haufen Termine und der Zeitdruck der oft mit den gut gemeinten Förderungen einher geht, ist nicht nur eine Belastung für die Eltern, sondern stresst auch die Kinder und kann schnell zur Überforderung werden. Kinder wollen doch ihre Welt selbst erkunden, auf eigene Faust Interesse für gewisse Dinge entwickeln und nicht immer in irgendeine Richtung geschoben werden. Langeweile soll gut sein, um kreativ zu werden und Ideen zu entwickeln.

Ich plädiere deshalb dafür, den Mittelweg zu wählen. Seine Kinder zu fördern und sie auf gesunde, gemäßigte Art zu unterstützen, ihr Potential zu entdecken und zu erweitern, ist meiner Meinung nach gut und sogar wichtig. Aber die Kinder unentwegt zu pushen, sie von der Masse hervorheben zu wollen und dann evtl. noch mit anderen Eltern darum zu wetteifern, wer die besten Fördermöglichkeiten in den verschiedensten Lebensbereichen bietet, ist einfach nur unnötig und stressig für alle Beteiligten!

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Kommentare: 1
  • #1

    Sarah (Donnerstag, 22 November 2018 22:23)

    Das fängt ja auch schon im babyalter an. Was, dein Kind kann mit x Monaten noch nicht krabbeln / laufen / sprechen?! Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und das ist gut so :)